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Nur wenig Bauland bleibt übrig

stefan dähler

Im März 2015 sagten die Emmer knapp Ja zum umstrittenen Verkauf des Herdschwand-Areals. Das Thema Landverkauf beschäftigt die Emmer aber weiter. Am 28. Februar stimmen sie über die «Bodeninitiative» von SP und Grünen ab. Die Initiative verlangt, dass Gemeindeland im Besitz der Gemeinde bleibt. Nach diversen Landverkäufen bleiben aktuell noch rund 35 Grundstücke im Finanzvermögen der Gemeinde Emmen. Ihr Buchwert beträgt total 15 Millionen Franken. Sagt das Stimmvolk am 28. Februar Ja, dürfte die Gemeinde dieses Land nicht mehr verkaufen. «Die interessanteste Parzelle liegt in Emmen Dorf beim Meierhof», sagt Finanzvorsteher Urs Dickerhof (SVP). «Dort wäre es möglich, Gewerbebetriebe anzusiedeln.» Mit einem Buchwert von 3,3 Millionen Franken ist dies auch die wertvollste Parzelle. «Wir warten derzeit auf die Genehmigung des Bebauungsplans durch den Kanton. Dann könnte in den nächsten zwei, drei Jahren etwas auf dieser Parzelle laufen», sagt Dickerhof. Ob die Gemeinde das Grundstück behalten oder verkaufen will, ist dabei noch offen.

Land für den Viscosi-Park

Auf der 1,2 Millionen teuren Parzelle Vorderemmenweid wäre ebenfalls ein Bauprojekt möglich. «Der Grossteil davon wird jedoch für den Park der Viscosistadt benötigt», sagt Dickerhof. Wie viel Platz für einen Neubau übrig bleibt, ist offen. Ebenfalls frei steht die Kühnewiese (Buchwert 1,69 Millionen Franken). 2007 lehnte das Emmer Stimmvolk dort ein Bauprojekt ab, weil die Chalets daneben dafür abgerissen worden wären. Hier bestehen noch keine Pläne. Die weiteren grösseren Grundstücke können nicht überbaut werden. Die Parzelle Schluchen/Schwyzerhüsli mit einem Wert von 2,3 Millionen Franken befindet sich in der Landwirtschaftszone. Zudem besitzt die Gemeinde eini­ge Waldstücke. Die Grünfläche Altsagen in der Nähe des Seetalplatzes soll als Freizeitplatz für das Quartier erhalten bleiben. Der Wert dieser Parzelle liegt bei 1 Million Franken. Weitere Grundstücke wie das Unterdorf im Hasliring oder das Riffig beim Chörbli hat die Gemeinde im Baurecht abgegeben. An der Sonnhaldenstrasse befindet sich das Pfadiheim. «Dieses Land liegt zwischen Autobahn und Eisenbahngleisen. Hier ist nicht viel möglich», erklärt Urs Dickerhof.

Emmen hat viele «Restparzellen»

Daneben besitzt Emmen viele kleine Grundstücke. «Diese sind für Bauprojekte ungeeignet. Einige davon sind Spielplätze, andere Restparzellen, die nach Bauprojekten übrig geblieben sind», sagt Dickerhof. So befänden sich einzelne Strassenabschnitte oder Parkplätze auf Gemeindeland. Weiter gebe es Reserveland für Strassenbauprojekte, die nicht umgesetzt worden sind. «Ein Beispiel ist eine 244 Quadratmeter grosse Parzelle vor den Geschäften beim Centralplatz. Dieses hat die Gemeinde gekauft, weil man dort einen Kreisel bauen wollte. Das Projekt ist nicht mehr aktuell, das Land bleibt zurzeit aber dennoch im Gemeindebesitz.»

Weitere Besitztümer der Gemeinde wie Schulhausareale oder das Verwaltungsgebäude befinden sich nicht im Finanz-, sondern im Verwaltungsvermögen. «Das sind Objekte, die unmittelbar zur öffentlichen Aufgabenerfüllung dienen», sagt Dickerhof. «Diese kann die Gemeinde nicht verkaufen.» Um eine Parzelle vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen zu verschieben, ist ein Entscheid des Einwohnerrates nötig.

Der Gemeinderat lehnt die Bodeninitiative ab. Bei Gewerbeflächen sei ein Verkauf für alle beteiligten Parteien in der Regel lukrativer. Dickerhof macht folgendes Beispiel: «1000 Quadratmeter Land, das wir zum Einkaufspreis von 100 Franken pro Quadratmeter erworben haben, werden für 350 Franken pro Quadratmeter verkauft. Dies ist heute der Mindestpreis für Gewerbeland.» Dies bedeute einen Buchgewinn von 250 000 Franken. «Bei einer Abgabe im Baurecht mit einem Zins von 3 Prozent würde es 23 Jahre dauern, bis dieser Gewinn erreicht wird.»

«Man hat das Geld und das Land»

Für Mitinitiant Andreas Kappeler (Grüne) überwiegen dennoch die Vorteile einer Abgabe im Baurecht: «Nach 23 Jahren hat man das Land und das Geld. Das Land wird dann wohl auch einen deutlich höheren Wert haben als heute.» Zudem solle die stark wachsende Gemeinde «handlungsfähig» bleiben, falls in 20 bis 30 Jahren neue öffentliche Gebäude nötig sind. Kappeler betont auch, dass Landverkäufe ebenso nach Annahme der Initiative möglich wären – unter der Voraussetzung, dass die Gemeinde im Gegenzug anderswo Land kauft.