An den Gemeinderat von Emmen

 

Stellungnahme zum Bebauungsplan „Neuschwand“ durch das Komitee „Herdschwand erhalten - zum Nutzen aller“

 

Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident

Sehr geehrte Frau Gemeinderätin und Herren Gemeinderäte

Nach intensivem Studium der umfangreichen Dokumente zu dem nun veröffentlichten

Bebauungsplan „Neuschwand“, möchten wir hiermit zu den wichtigsten Elementen zugunsten der Qualität der Bebauung Stellung nehmen.

Es liegt im Interesse der Bevölkerung von Emmen, wie auch der Anwohner der Herdschwand, eine solch mangelhafte Bebauung für die zukünftigen Bewohner zu verhindern. Langfristig wird der qualitativ schlechte Wohnraum (Besonnung, Lichteinfall, Schattenwurf) zu häufigen Mieterwechseln und leerstehenden Wohnungen führen.

Das Komitee stellt daher folgende Anträge:

 

  1. 1.Es ist ein Sonnen- und Schattenwurfdiagramm zu erstellen und die Wohnhygiene sowie die Lebensqualität der ganzen Bebauung ist neu zu beurteilen.
  2. 2.Der Riegelbau ist in mehrere Gebäude aufzulösen zwecks Verbesserung der Besonnung und Steigerung der Wohnqualität.
  3. 3.Der Erhalt weiterer bereits bestehender Gebäude ist zu prüfen.
  4. 4.Soweit neue Gebäude erstellt werden, sind strengere Energiemassnahmen vorzuschreiben.
  5. 5.Eine Einbahnlösung zur verkehrsmässigen Erschliessung der Bebauung ist zusammen mit den Anwohnern der beiden Oberhofstrassen Nord und Süd zu prüfen.
  6. 6.Es ist keine übermässig reduzierte Anzahl der Parkplätze vorzusehen.
  7. 7.Die Bäume 7 und 9 sind zu erhalten, da schützenswert.
  8. 8.Ein maximaler Schallschutz durch entsprechende Schallschutzfenster und indirekte Belüftung der Räume ist vorzuschreiben.

 

Begründung:

Zu Antrag 1: Besonnung und Ausrichtung der Gebäude

 

Besonnung und Licht sind ein Grundbedürfnis des Menschen. Wohnungen mit wenig Licht und Sonne führen daher zu häufigen Mieterwechseln, zu Leerwohnungsbestand und zu tieferen Mieten.

 

Weder die 19 2 ½ Zimmer Wohnungen der fünf Punktbauten, die nach Osten (110°) aus-gerichtet sind, noch die meisten der 88 Wohnungen im Riegelbau mit Ausrichtung West-Nord-West (285°) genügen diesem Grundbedürfnis nach Licht und Sonne.

Da bisher scheinbar kein Sonnenstands - und Schattendiagramm mit Berücksichtigung des Schattenwurfes gegenüber den anderen Gebäuden, innerhalb der Bebauung und gegenüber der Nordwest Hanglage und den bestehenden Gebäuden oben auf dem Hang erstellt wurde, sind diese Mängel bisher nicht erkannt und in die Beurteilung einbezogen worden.

Dieser wichtige Aspekt war auch nicht Bestandteil der Wettbewerbsbeurteilung!

Unseres Wissens wurden bis jetzt in der Gemeinde Emmen noch nie Wohnungen mit dieser Ausrichtung der Wohnräume gebaut. Es wundert daher nicht, dass Losinger Marazzi AG (gemäss Aussage von Manuel Schneider) Mietwohnungen und keine Eigentumswohnungen realisieren will. Käufer von Wohneigentum haben klare Vorstellungen von Wohnqualität, welche hier bezüglich Besonnung und Lichteinfall nicht gegeben ist.

Hier wiederspricht sich auch der Gemeinderat entgegen seinen früheren Aussagen zu Qualität und Wohneigentum in der „Neuschwand“.

 

Zu Antrag 2: Riegelbau

 

Der Riegelbau ist trotz der Fassadengliederung immer noch viel zu hoch und zu massiv für den Standort. Sein Schattenwurf verhindert die Sonneneinstrahlung auf die dahinterliegenden gleich hohen Punktbauten und führt dazu, dass insbesondere die unteren Stockwerke wenig Licht und nur sehr kurze Besonnungszeiten haben. Die Fenster aller 2 ½ Zimmerwohnungen in den Punktbauten sind davon betroffen und somit bauhygienisch unzumutbar.

Die unattraktive Ausrichtung der Wohnräume des Riegelbaus ist die Folge der Verdichtung nach innen und der maximalen Anzahl möglicher Wohneinheiten im Riegelbau.

Die angeführte Erwägung, dass die Aufteilung des Riegelbaus in 2-3 Bauten keine Vorteile bringt, trifft nicht zu. Eine Aufteilung des Riegels würde zu einer wesentlich höheren Wohnqualität führen und auch die Rendite optimieren, statt maximieren.

Der Wettbewerbs-Zweite Implenia hatte dies in ihrem Projekt deutlich besser gelöst.

Die vom Gemeinderat gemachte Aussage in der Presse und am Informationsabend zur nun besseren Qualität der Bebauung betrifft nur die jetzt etwas grösseren Freiräume und deren konkretere Gestaltung, nicht aber die ursprünglich angestrebte Wohnqualität und Eigentumseignung der Bebauung.

Das Festhalten am Riegelbau führt zu einer maximalen Rendite ohne Rücksicht auf die Lebensqualität der Bewohner, der Anwohner und die zukünftige Entwicklung.

Zu Antrag 3: Prüfung Erhalt weiterer bereits bestehender Gebäude

 

Der Erhalt und Umbau des bestehenden Personalgebäudes ist zu begrüssen. Damit ist auch erwiesen, dass die Bausubstanz der bisherigen Gebäude noch in gutem Zustand ist. Von den verantwortlichen Zuständigen wurde immer wieder die schlechte Bausubstanz als Begründung für den Rückbau der Herdschwand angeführt. Dies wird damit nun aber deutlich widerlegt und muss ebenfalls berücksichtigt werden.

 

Zu Antrag 4: Strengere Energievorschriften für Neubauten

 

Mit dem Bebauungsplan wird eine sehr hohe Verdichtung erst möglich.

Der Energiefrage ist in den Sonderbauvorschriften zu wenig Bedeutung zugemessen worden. Es sind konkretere und anspruchsvollere Standards bezüglich des Energiebedarfs zu fordern.

Nur Minergie Standard ist für eine neue Bebauung dieser Grösse zu wenig.

Minergie P ist für diese neue Bebauung zwingend vorzusehen.

 

Zu Antrag 5: Erschliessung mittels Einbahnlösung

 

Wegen der geplanten Zufahrt via Oberhofstrasse Süd dürfte es zu grösseren Verzögerungen infolge Baueinsprachen von direkt Betroffenen kommen.

Ein Einbahnkonzept, d.h. Einfahrt und Ausfahrt nicht am gleichen Ort, wäre für die Bewohner der Oberhofstrassen Süd und Nord wohl eher akzeptabel und prüfenswert.

Die aktuell geplante Einfahrt direkt unter den Schlafräumen der Bewohner von 1a ohne genügende Überdeckung der Einfahrt ist auch qualitätsmindernd für diese 18 betroffenen Wohnungen.

 

Zu Antrag 6: Genügend Parkplätze

 

Eine übermässig reduzierte Anzahl Parkplätze wird sich negativ auf die Vermietung auswirken und produziert auch unnötige Parkplatzsuche in den umliegenden Quartieren. Viele Personen entscheiden sich für Emmen als Wohnort wegen der guten Verkehrserschliessung im privaten und im öffentlichen Verkehr. Viele nutzen den öffentlichen Verkehr, wollen aber trotzdem ein Auto. Dies wird sich auch künftig nicht so schnell ändern, auch wenn wohl mehr auf Elektromobilität gesetzt werden wird.

 

Zu Antrag 7: Die Bäume 7 und 9 sind zu erhalten

 

Die Eiche Baumnummer 7 mit ihrem Stammumfang von 400 cm ist schützenswert und zu erhalten. Dasselbe gilt auch für die zwar nicht heimische Roteiche, Baumnummer 9, die dem Punktebau Nr. 2 zum Opfer fallen soll. Diese ist mit ihrem Ausmass von 280 cm Stammumfang, in ein Meter Höhe ab Boden gemessen, und ihrer prächtigen gesunden Krone schützenswert und somit auch zu erhalten.

Der Plan bezeichnet einen grossen Weidebaum am südlichen Rand des Grundstücks als Eiche und täuscht damit eine falsche Situation für die Eiche Nummer 9 vor. Wir erinnern daran, dass auch alle Eichen bei den Alterswohnungen zum frohen Alter und an der Herdschwand-strasse als geschützt gelten und nicht gefällt werden durften.

Das aktuell aus den 80iger Jahren stammende Verzeichnis und der Plan der schützenwerten

Bäume und Hecken der Gemeinde ist seit diesem Zeitpunkt leider nicht mehr nachgeführt worden und somit auch nicht sehr aussagekräftig.

 

Zu Antrag 8: Schallschutz und Lüftung

 

Das Lärmgutachten zeigt in keiner Weise die Auswirkungen des zukünftig sogar noch zunehmenden Fluglärmes des Militärflugplatzes Emmen auf.

Die direkt in der An-und Abflugschneise liegende Überbauung Neuschwand ist davon aber stark betroffen. Der Fluglärm beeinträchtig die Qualität der Wohnungen. Ohne Massnahmen beim Schallschutz wird es sehr schwierig, gute Steuerzahler anzuziehen. Die Wohnungen sind daher nicht für gehobenes Wohnen im oberen Mittelklassesegment ausgerichtet, sondern eher im unteren Segment.

Wir bitten Sie um Kenntnisnahme unseres Anliegens.

Für das Komitee

Rolf Stähli                               Thomas Fueter