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LZ greift in den Abstimmungskampf ein

Am 4. März muss das Emmer Stimmvolk unter anderem folgende zwei Fragen beantworten: Will es das Grundstück Herdschwand von der öffentlichen Zone in die Wohnzone überführen und den Bebauungsplan Neuschwand gutheissen? Und bewilligt es einen Kredit von 1,5 Millionen Franken für den Abriss der bestehenden Gebäude?

Seit der Verkaufsabstimmung 2015 wurde viel über die Zukunft des Areals debattiert. Die damaligen Verkaufsgegner kämpfen heute gegen Bebauungsplan und Abriss. Ihr Anliegen ist die weitere Nutzung der Gebäude und der Verbleib des Grundstücks in Gemeindehand.

Rekapitulieren wir: 2009 hat das Stimmvolk der Auslagerung der Emmer Heime zugestimmt. Die neu gegründete Betagtenzentren Emmen AG entschied bereits ein Jahr später, das 1976 erbaute Heim auf der Herdschwand nicht weiter zu betreiben – es entspreche den Anforderungen für ein Pflegeheim nicht mehr und eine Sanierung wäre zu teuer. Stattdessen wurde das neue Betagtenzentrum Emmenfeld gebaut. So blieb das Grundstück Herdschwand inklusive der Gebäude in Gemeindebesitz. Der Gemeinderat beschloss daraufhin, dass auf der Herdschwand eine Wohnüberbauung entstehen soll. Der Einwohnerrat stimmte 2012 diesem Antrag zu. Aus dem Architekturwettbewerb ging 2014 das Projekt Neuschwand hervor.

Dieses hat anfangs relativ klotzig und sehr dicht gewirkt, zu Recht stand es deshalb in der Kritik. Der Bebauungsplan wurde aber mehrere Male überarbeitet und entschlackt, die Gebäudedichte verringert, die Grünfläche vergrössert. Sogar das alte Personalhaus des Altersheims wurde integriert. Mittlerweile kann man von einer massvollen Verdichtung und einem attraktiven Bebauungsplan sprechen. Auch die Einwohnerräte sahen dies bei der Parlamentsdebatte mehrheitlich so.

Ein Erhalt der bestehenden Gebäude ergibt heute keinen Sinn mehr. Zwar sind sie erst gut 40-jährig, und die Bau­substanz scheint noch einigermassen in Ordnung zu sein. Allerdings hat es die Gemeinde versäumt, regelmässig Sanierungsarbeiten vorzunehmen. Man liess die Infrastruktur buchstäblich verlottern, sodass man bereits zum Zeitpunkt der Heimauslagerung eine Gesamtsanierung als zu teuer erachtete.

Für eine neue Nutzung der Gebäude bräuchte es einen willigen Nutzer – etwa ein privates Pflegeheim oder eine Privatklinik –, der mit der Raumaufteilung etwas anfangen kann und gewillt ist, viel Geld für die Sanierung aufzuwenden. Anders als beim Zentrum Gersag – das diesbezüglich ein ähnlicher Fall war, jedoch dank Le Théâtre saniert wurde – tauchte bei der Herdschwand niemand auf, der diese Aufgabe übernehmen wollte.

Den Abriss hinauszuzögern, ist angesichts der prekären Gemeindefinanzen nicht sinnvoll. Wird der Bebauungsplan gutgeheissen, kommt der Rückbau früher oder später sowieso. Eine weitere Zwischennutzung – die idealste Lösung schlechthin – kam leider nicht mehr zu Stande. Mit dem Abriss kann die Gemeinde aber immerhin laufende Kosten reduzieren. Der Abrisskredit wird ausserdem vom Käufer zurückgezahlt.

Mit einem Nein zum Bebauungsplan Neuschwand wäre auch der Verkauf vom Tisch. Das hätte für Emmen finanzielle Auswirkungen. Die Gemeinde müsste die wegen des Heimfalls noch ausstehenden 5,8 Millionen Franken an die Betagtenzentren Emmen AG ohne den Verkaufserlös von 16,5 Millionen bezahlen. Darüber hinaus müsste sie die Losinger Marazzi AG für die Projektentwicklung entschädigen (rund 920000 Franken). Ein Nein würde auch die jahrelange Arbeit hinfällig machen. Die finanziell darbende Gemeinde würde auf dem Grundstück mit den alten Gebäuden sitzen, ohne zu wissen, was sie damit anfangen soll. Es ist zu bezweifeln, dass dann plötzlich eine Idee für eine neue Nutzung auftaucht, mit der alle einverstanden sind. In Anbetracht dessen, dass vor drei Jahren der Verkauf des Grundstücks Herdschwand beschlossen wurde, wäre das eine für alle unbefriedigende Bilanz.

Quelle LZ